Berndt Rytlewski mit Pastor Heinrich Matthias Sengelmann vor dem Ausstellungspavillon

Was passiert hier eigentlich?

Seit Monaten findet in der und rund um die St. Nicolaus-Kirche eine rege Bautätigkeit statt. Neben der umfänglichen Renovierung des Innenraums der Kirche fällt dabei ein Projekt im östlichen Teil des Geländes besonders ins Auge: die bereits erfolgte Herausnahme des umstrittenen Altarbildes von 1938 und seine Platzierung an einen Ort außerhalb der Kirche. Hier entsteht ein Lern- und Gedenkort, der im Mai 2022 eröffnet werden wird.

Nicht für jede/r Passant*in, der/die durch den Bauzaun hindurch einen Blick auf die damit verbundenen Arbeiten wirft, erschließt sich sofort der Sinn dieser umfangreichen Bauaktivitäten, insbesondere in Bezug auf die Herausnahme der Kirchenwand mit dem historisch belasteten Altarbild.

Ausstellung im Info-Pavillon

Mit der Eröffnung eines Informationspavillons in einem Baucontainer direkt an der Baustelle wurde nun eine Möglichkeit geschaffen, sich über den Hintergrund des Lern- und Gedenkortes zu informieren. In einer kleinen Ausstellung wird die Verbindung zwischen der Aussage des Wandbildes aus der NS-Zeit und den 640 Alsterdorfer Opfern der Euthanasie erläutert – und mittels einer Installation sowie durch Text- und Bildtafeln erlebbar gemacht.

Das Besondere bei der Ausstellung ist, dass sie von dem Schüler Till Grafe erstellt worden ist. „An der Bugenhagenschule Alsterdorf wurde unter Oberstufenschüler*innen einen Wettbewerb zur Gestaltung des Info-Pavillon ausgelobt“, erklärt Berndt Rytlewski aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der ESA.

Ein Info-Pavillon an der Kirche St. Nicolaus zeigt eine Ausstellung zum Gedenken an die Alsterdorfer Euthanasie-Opfer und gibt Auskunft über den entstehenden Lern- und Gedenkort
Innenansicht des Pavillons

Die Konzeption von Till Grafe thematisiert eindrucksvoll das Nebeneinander von Kirche und NS-Zeit. So hängen drei Spiegel im Raum, in denen Besucher*innen drei Texte lesen können, die spiegelverkehrt gegenüber angebracht sind. Dort finden sich Gedanken eines Auschwitz-Überlebenden, ein Gedicht und die Erläuterung des Gewinners Till Grafe zu seiner Ausstellungsidee. Auf der Rückseite der Spiegel befinden sich die Namen der deportierten Menschen mit Behinderung, die zum Opfer der Nazi-Ideologie geworden sind. Auch in Zukunft sollen die Informationsvitrinen der Gedenkstätte regelmäßig von Schüler*innen der Bugenhagenschule bespielt werden.

Öffnungszeiten

Der Info-Pavillon kann werktags zwischen 10 Uhr und 15 Uhr besucht werden. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, findet eine Rampe an der Eingangstür.

Axel Philipp Loitzenbauer, Ulrich Scheibel, Dr. Melanie Leonhard und Hanne Stiefvater vor dem Lern- Und Gedenkort und der Kirche

Dr. Melanie Leonhard zu Gast bei der ESA

Die Senatorin besuchte die Baustelle an der Kirche St. Nicolaus

Bei einem Baustellenrundgang informierte sich Dr. Melanie Leonhard, Hamburger Senatorin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration, in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) über den aktuellen Stand der Bau- und Sanierungsarbeiten an der St. Nicolaus Kirche sowie über den dort entstehenden neuen Lern- und Gedenkort.

Gemeinsam mit ESA-Vorständin Hanne Stiefvater und Vorstand Ulrich Scheibel wurde sie von Axel Philipp Loitzenbauer, dem leitenden Architekten, über das Gelände und durch die Innenräume der Kirche geführt.

Gotische Fenster der Kirche
Gotische Fenster der Kirche

Dr. Melanie Leonhard zeigte sich beeindruckt vom Fortschritt der Bauarbeiten – sie war zuletzt vor etwa einem Jahr vor Ort. Zwischenzeitlich wurde unter anderem das Altarbild im Zuge der Translozierung entfernt und an dessen Stelle ein großzügiges Fenster eingelassen.

„Es ist für uns eine große Ehre, dass sich Frau Dr. Leonhard für die Bau- und Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Nicolaus interessiert und die historische Bedeutung hervorhebt,“ so Hanne Stiefvater und Ulrich Scheibel.

Dr. Melanie Leonhard, Ulrich Scheibel, Hanne Stiefvater und Axel Philipp Loitzenbauer in der Kirche
Dr. Melanie Leonhard, Ulrich Scheibel, Hanne Stiefvater und Axel Philipp Loitzenbauer in der Kirche

Wie geht es nun weiter?

„Im Inneren der Kirche sind wir im Zeitplan. Bei den Bauarbeiten im Außenbereich hat sich leider die Lieferung der vorgefertigten Bauteile erheblich verzögert. Nun hoffen wir auf einen milden Hamburger Winter,“ so Axel Philipp Loitzenbauer. Weiterhin soll die Eröffnung der Kirche im April 2022 stattfinden.

Versetzen des Altarbildes

Versetzen des Altarbildes

Der spektakuläre Kraneinsatz an der Kirche St. Nicolaus ist allen Beteiligten stark im Gedächtnis geblieben. Emotionale und eindrucksvolle Bilder des Versetzens des Altarbildes liefert der folgende Film.

Am 26. Mai 2021 wurde das Wandbild endgültig aus der Verankerung gelöst. Ein gewaltiger Kran hob das 58 Tonnen schwere Konstrukt an. Er drehte es um 180 Grad und positionierte es vor der Kirche St. Nicolaus. Künftig schützt eine Verglasung das Altarbild vor der Witterung. Rundherum werden am neu entstehenden Lern- und Gedenkort Info-Tafeln und Vitrinen platziert. Eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stiftung wird so ermöglicht.

Der Architekt Axel Philipp Loitzenbauer vor der Kirche

Baustellenbegehung im Film

Mit Architekt Axel Philipp Loitzenbauer.

Er führt im Film über die Baustelle. Außerdem spricht er darüber, was ihn die lange Planung und die Gespräche zum Thema Teilhabe und Inklusion gelehrt hat. Auch erzählt er über spannenden Funde während der Sanierungsarbeiten und was es mit dem neuen Lern- und Gedenkort auf sich hat.