Eröffnungsgottesdienst mit Pastor Uwe Mletzko

Wiedereröffnung der St. Nicolaus Kirche

Am 10. April 2022 feierte die Evangelische Stiftung ein besonderes Ereignis: Ihre Stiftungskirche St. Nicolaus wurde nach Sanierung und Umbau und barrierefreiem Ausbau wiedereröffnet. Eine Woche lang gab es verschiedene Veranstaltungen. Am Eröffnungstag gab es einen Gottesdienst mit über 70 Gästen. Auch Hamburgs Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard, die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs und Landespastor Dirk Ahrens gehörten dazu. Pastor Uwe Mletzko, der Vorstandsvorsitzende der ESA, gestaltete den Festgottesdienst.

Pastor Uwe Mletzko, Bischöfin Kirsten Fehrs, Architekt Philipp Loitzenbauer und und Landespastor Dirk Ahrens vor dem neuen Altar (v.l.n.r.)
Pastor Uwe Mletzko, Bischöfin Kirsten Fehrs, Architekt Philipp Loitzenbauer und und Landespastor Dirk Ahrens vor dem neuen Altar (v.l.n.r.) – Fotos: Axel Nordmeier

Am Abend zuvor wurden bereits die Gegenstände in die Kirche gebracht, die für den Gottesdienst wichtig sind. Dazu gehörten Bibel, Taufkanne, Jesuskreuz und Osterkerze.

„Von jetzt an ist unsere Kirche ein Ort für Gottesdienste und Andachten – für alle Menschen“, sagte Pastor Uwe Mletzko in seiner Predig zur Kircheneröffnung. „Sie ist aber auch offen für Veranstaltungen, Gespräche und Begegnungen.“ Es gibt vor und in der Kirche viele Hilfen für Menschen mit Behinderung. Wie eine Induktionsschleife im Boden, ein Ruheraum oder eine Kanzel die nicht erhöht ist.

Der neue Altar

Die St. Nicolaus-Kirche öffnet wieder ihre Türen

Die Stiftungskirche der Evangelischen Stiftung Alsterdorf erstrahlt nach umfangreichen Sanierungsarbeiten in neuem Licht. Dabei wurde die Kirche barrierefrei umgebaut. Künftig sollen dort neben Gottesdiensten auch Kulturveranstaltungen stattfinden. Am 31. März 2022 wurde der Kirchschlüssel für das Gebäude vom ausführenden Architekten Philipp Loitzenbauer an Uwe Mletzko, den Vorstandsvorsitzenden der ESA, übergeben.

Philipp Loitzenbauer gibt Uwe Mletzko den Kirchenschlüssel
Philipp Loitzenbauer (rechts) gibt Uwe Mletzko den Kirchenschlüssel

Der wichtigste Schritt im Rahmen der Bauarbeiten erfolgte bereits im letzten Jahr: mit dem Heraustrennen der Kirchenrückwand. Auf deren Innenseite war das Altarbild von 1938, mit seiner ausgrenzenden Botschaft gegenüber Menschen mit Behinderung, aufgetragen. Jetzt befindet sich an der Stelle ein großes Glasfenster. In direkter Nachbarschaft zur Kirche entsteht der künftige Lern- und Gedenkort, der in als Zentrum das ehemalige Altarbild beheimatet.

Foto der nicht fertigen Orgel

Die Walcker-Orgel war zur Kur

Sie ist Baujahr: 1963. Hat 25 Register, 3 Manuale und Pedale. Klar, und natürlich ein Hauptwerk, Schwellwerk, befilzte Spielventile mit Leitstiftlöchern, Registerzugmotoren, Rückschlagklappen und Trennschiede und unendlich viele Teile mit ungewöhnlichen Bezeichnungen mehr. Klingt wie ein kompliziertes Gerät – und ist es auch.

Die Rede ist von der Orgel in der St. Nicolaus-Kirche, die gerade aufwändig renoviert wird.
1963 von der Ludwigsburger Firma Eberhardt Friedrich Walcker & Cie gebaut und auf der Empore der Kirche installiert, ist sie seitdem unter den Fittichen des Orgelbaumeisters Claus Sebastian und seinem Team. Zuletzt wurde das Instrument im Jahre 1989 grundlegend renoviert, seitdem haben sich trotz regelmäßiger Wartung und Stimmung einige Missklänge eingeschlichen, die eine totale Sanierung erforderten.

Diese Gelegenheit bot sich mit der Kirchenrenovierung der letzten Monate: Die Orgel wurde komplett auseinandergenommen, zum Teil im Herntrichsaal zwischengelagert und sensible erneuerungsbedürftige Teile in die Geesthachter Orgelbauwerkstatt gebracht.

Zwischenlager im Herntrichsaal
Zwischenlager im Herntrichsaal
Abbildung Werkstattplatz mit einer Pfeife und Werkzeug
Schleifendichtungen müssen erneurt werden
Foto Kirchenecke mit Kisten und Plane
Kuschelig eingehaustes Orgelteil

Hier wird vom Orgelbauerteam, bestehend aus Claus Sebastian, seiner Frau Susanne Ziehlke und seinem Bruder Rolf, sowie Orgelbauer Tilmann Dewel die nötige Feinarbeit geleistet: Das „Zungenregister“ wird überarbeitet und gangbar gemacht, die „Schleifendichtungen“ werden ausgetauscht sowie die Pfeifen gereinigt. Nach monatelanger Arbeit wird die zerlegte Orgel nun Stück für Stück und Pfeife für Pfeife wiederaufgebaut und wird dann nach einer Stimmung so klingen, wie 1963 neugeboren – pünktlich zur Wiedereröffnung der Kirche im April.


Zwei Paar verstaubte Schuhe in einer Kammer von oben gesehen

Orgelbodenfund:
Diese Organistenschuhe hat ein Kirchenmusiker wohl vor Jahrzehnten zwischengelagert.

Axel Philipp Loitzenbauer, Ulrich Scheibel, Dr. Melanie Leonhard und Hanne Stiefvater vor dem Lern- Und Gedenkort und der Kirche

Dr. Melanie Leonhard zu Gast bei der ESA

Die Senatorin besuchte die Baustelle an der Kirche St. Nicolaus

Bei einem Baustellenrundgang informierte sich Dr. Melanie Leonhard, Hamburger Senatorin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration, in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) über den aktuellen Stand der Bau- und Sanierungsarbeiten an der St. Nicolaus Kirche sowie über den dort entstehenden neuen Lern- und Gedenkort.

Gemeinsam mit ESA-Vorständin Hanne Stiefvater und Vorstand Ulrich Scheibel wurde sie von Axel Philipp Loitzenbauer, dem leitenden Architekten, über das Gelände und durch die Innenräume der Kirche geführt.

Gotische Fenster der Kirche
Gotische Fenster der Kirche

Dr. Melanie Leonhard zeigte sich beeindruckt vom Fortschritt der Bauarbeiten – sie war zuletzt vor etwa einem Jahr vor Ort. Zwischenzeitlich wurde unter anderem das Altarbild im Zuge der Translozierung entfernt und an dessen Stelle ein großzügiges Fenster eingelassen.

„Es ist für uns eine große Ehre, dass sich Frau Dr. Leonhard für die Bau- und Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Nicolaus interessiert und die historische Bedeutung hervorhebt,“ so Hanne Stiefvater und Ulrich Scheibel.

Dr. Melanie Leonhard, Ulrich Scheibel, Hanne Stiefvater und Axel Philipp Loitzenbauer in der Kirche
Dr. Melanie Leonhard, Ulrich Scheibel, Hanne Stiefvater und Axel Philipp Loitzenbauer in der Kirche

Wie geht es nun weiter?

„Im Inneren der Kirche sind wir im Zeitplan. Bei den Bauarbeiten im Außenbereich hat sich leider die Lieferung der vorgefertigten Bauteile erheblich verzögert. Nun hoffen wir auf einen milden Hamburger Winter,“ so Axel Philipp Loitzenbauer. Weiterhin soll die Eröffnung der Kirche im April 2022 stattfinden.

Versetzen des Altarbildes

Versetzen des Altarbildes

Der spektakuläre Kraneinsatz an der Kirche St. Nicolaus ist allen Beteiligten stark im Gedächtnis geblieben. Emotionale und eindrucksvolle Bilder des Versetzens des Altarbildes liefert der folgende Film.

Am 26. Mai 2021 wurde das Wandbild endgültig aus der Verankerung gelöst. Ein gewaltiger Kran hob das 58 Tonnen schwere Konstrukt an. Er drehte es um 180 Grad und positionierte es vor der Kirche St. Nicolaus. Künftig schützt eine Verglasung das Altarbild vor der Witterung. Rundherum werden am neu entstehenden Lern- und Gedenkort Info-Tafeln und Vitrinen platziert. Eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stiftung wird so ermöglicht.

Der Architekt Axel Philipp Loitzenbauer vor der Kirche

Baustellenbegehung im Film

Mit Architekt Axel Philipp Loitzenbauer.

Er führt im Film über die Baustelle. Außerdem spricht er darüber, was ihn die lange Planung und die Gespräche zum Thema Teilhabe und Inklusion gelehrt hat. Auch erzählt er über spannenden Funde während der Sanierungsarbeiten und was es mit dem neuen Lern- und Gedenkort auf sich hat.

Weil Hoffnung verbindet - Transparent am Bauzau vor der Kirche

Verschub des Altarbildes aus St. Nicolaus

Unsere Geschichte tritt sichtbar hervor

Nach gut 2 1/2 Stunden war es vollbracht – echte Handhandarbeit vor imposanter Kulisse: Nachdem die Rückwand der Kirche, auf deren Innenseite das umstrittene Altarbild von 1938 aufgebracht ist, mit einer diamantbesetzten Trennscheibe aus dem Kirchenbau von St. Nicolaus geschnitten wurde, erfolgte nun der Verschub des 50 Tonnen schweren Konstrukts aus Steinwand und stählerner Stützeinrichtung. Rund 1 Meter 50 ragt es nun aus der Kirche heraus.

Was ist der Grund für den Verschub des Altarbildes?

Kirchenrückwand mit herausgeschobener Altarrückwand
Entfernung der alten Kirchenwand

Die ausgrenzende Aussage des Altarbildes sowie dessen Entstehung in der Zeit der Verstrickung der damaligen Alsterdorfer Anstalten in den Nationalsozialismus beeinträchtigte bis heute die liturgische Nutzung der Kirche in hohem Maße. Die Evangelische Stiftung Alsterdorf setzt sich schon seit vielen Jahren offen und kritisch mit ihrer Geschichte auseinander. Daher soll das Altarbild nicht versteckt, sondern bewusst in die Öffentlichkeit – „ans Licht“ – gebracht werden. Es wird künftig das zentrale Element eines Lern- und Gedenkorts bilden, der direkt neben St. Nicolaus entsteht.

In den nächsten Tagen bekommt die freistehende Kirchenwand mit dem Altarbild einen Witterungsschutz und es wird ein Ringbalken betoniert, der wiederum in ein Stahlprofil eingefasst wird. Beides wird die Wand statisch halten, bevor sie dann voraussichtlich Ende Mai 2021 mit Hilfe eines 500 Tonnen schweren Lastkrans in die Grube des zukünftigen Lern- und Gedenkortes vor St. Nicolaus abgesenkt wird.